26.04.2019

Der Traum-Beruf ist wieder da, wo alles in den Siebzigern begann. Früher prägte der DJ ein Lebensgefühl in Clubs, heute steht er für Massen-Entertainment auf Festivals.


KOLUMNE VON RAPHAEL KRICKOW 

im Journal Frankfurt LIVE! 

Nr. 09-2019, 26.04.-09.05.2019


Schon seit den 1970ern ist es auf allen Musikmessen, Podiumsdiskussionen und bei allen Musikliebhabern die gleiche Frage: Was kommt danach? Vor der Erfindung der elektronischen Musik waren die Idee und die Kreativität die ausschlaggebenden Faktoren für neue Musik und alles drumherum Werkzeuge, die man bedienen können musste, um zum Ziel zu kommen. Ein zwangsläufiger Filter für erfolgreiche Produktionen waren die Kosten, bis eine Schallplatte im Laden stand. Heute ist alles anders und jeder kann theoretisch Musik produzieren. Der Computer ist kein Werkzeug mehr, sondern ein maximal selbst arbeitender, inflationärer Voreinstellungs-Lieferant, und im DIY Verfahren kann jeder auch alles veröffentlichen. Der Dschungel ist also größer geworden und Quantität löst im Rahmen der Digitalisierung wie so oft Qualität ab. Gute Musik gibt es trotzdem. Was es aber seit den 1980er nicht mehr gibt, sind bahnbrechende neue Musikrichtungen, stattdessen gibt es immer mehr Untergenres von Untergenren.

Zu Vinylzeiten gab es das Phänomen, dass bestimmte Compilations praktisch der offizielle Startschuss für ein neues Musikgenre waren.


Am 30. Januar 1981 erschien auf dem Some Bizarre Label die Compilation „Some Bizarre Album“, auf dem nur bisher vertraglich ungebundene Künstler der zukünftigen Synthiepop Welle vertreten waren. Unter anderen Soft Cell, The The und Blancmange. Depeché Mode (noch mit einem accent aigu geschrieben) war mit „Photographic“ ebenfalls dabei, 8 Monate bevor deren erstes Album erschien.


Zwischen den Jahren 1983 und 1985 trug das US Label Street Sounds mit der 9-teilgen Serie „Electro“ dem Breakdance Soundtrack und dem Playback der frühen Hip Hop Bewegung Rechnung. Newcleus, Hashim, Grandmaster Flash, Herbie Hancock, Egyptian Lover, Whodini u.v.m. waren Bestandteil dieser damals einzigartigen Serie. Bemerkenswert dabei, alle Titel waren nonstop ineinander gemixt.


Bereits 1985 veröffentlichte dann DJ International Records die richtungsweisende Platte „The House Sound Of Chicago“, die man als Grundstein für alle daraus resultierenden Dance Stilrichtungen wie z.B. dem späteren Techno ansehen kann. Die ersten House-Hymnen von Steve ‘Silk‘ Hurley („Jack Your Body“), J M Silk („Shadows Of Your Love“) oder Farley 'Jackmaster' Funk („Love Can't Turn Around“) sind darauf zu finden.


In Sachen Europa basierender Dance-Music brachte 1988 das belgische Label Play It Again Sam die Bibel des EBM auf den Markt: „This Is Electronic Body Music“. Alles was Rang und Namen dieser sich seit Mitte der 1980er entwickelnden Club-Musik hatte, war Teil der Tracklist: Front 242, The Neon Judgement, The Cassandra Complex, A Split - Second, Chris & Cosy, The Weatehrmen, Skinny Puppy usw.


Aber bereits 2 Jahre vorher (1986) erschien beim Frankfurter Label Westside die erste Kopplung des dem EBM artverwandten Frankfurt-Sounds. Auf der Kopplung, der noch weitere Ausgaben folgen sollten, waren u.a. Talla 2XLC’s Projekte Axodry, Two Of China und Moskwa TV, aber auch Curare des späteren Snap! Mitproduzenten Michael Münzing vertreten.


Auch für deutsche elektronische Musik gab es einen ungewöhnlichen Meilenstein. 1982 veröffentlichte Cachalot Records in den USA die Zusammenstellung „Deutschland: A Compilation Of "New" German Music“ in der die eher frühe, intellektuelle, deutsche, elektronische Musik einen Platz fand. Diese grenzte sich klar von der poppigen Neuen Deutschen Welle ab, und sah sich eher als Erbe des Krautrocks. Bands wie Palais Schaumburg, Der Plan, Einstürzende Neubauten, Die Krupps, Die Fehlfarben oder Abwärts waren hier zu finden und erregten auch im Ausland großes Interesse.


1991 kam dann die erste deutsche Hip Hop Compilation auf den Markt, als viele noch gar nicht wussten, dass es sowas gab: „Krauts With Attitude - German HipHop Vol. 1“. Obwohl auch hier schon die Fantastischen Vier drauf waren, kann man guten Gewissens sagen, das war noch der echte Hip Hop Underground. Einziger Haken: 1991 hielt schon die Zigaretten-Industrie in Form des Labels Einzug ins Musik-Gschäft.


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