15.12.2022

Ich hab’n Tape vom DJ!

Mythos und Wirklichkeit der exklusiven DJ-Tapes im prädigitalen Zeitalter



KOLUMNE VON RAPHAEL KRICKOW 

im Journal Frankfurt LIVE! 

Nr. 24-2022, 15.12.-28.12.2022


Am Ende waren es doch immer eher die Musik-Nerds, die sich die begehrten DJ-Tapes direkt beim Missionar besorgten, und nicht die, denen man ihren visionären Musikgeschmack auch vermeintlich ansehen konnte. Ersteren ist die Verbreitung dieser Musik dann aber mehr zu verdanken als denen mit den authentischen Outfits und Tanzstilen. 


In jedem Fall war es die einzige Möglichkeit in den 80ern an diese spezielle Musik zu kommen. Die 50,- D-Mark relativierten sich schnell, da es in erster Linie um die Vervielfältigung und den imageträchtigen Weiterverkauf der Mitschnitte ging, und man später nicht selten in ganz anderen Kontexten und Umfeldern exakt das gleiche Tape zu hören bekam.


Ich persönlich wunderte mich oft, warum beim sonntäglichen Durchhören zuhause dann dieses eine besondere Stück wie durch ein Wunder fehlte. Irgendwann beobachtete ich, dass von der Tonbandmaschine eingespielte DJ-Eigenproduktionen, die noch nicht veröffentlich waren oder es mangels Urheberrechten auch nie wurden, durch eine Aufnahmepause ausgespart wurden. Blöd.


Aber waren die Tapes wirklich so magisch, wie man es heute beschreibt? Wirkungskreis geschuldet schränkt sich die diesbezügliche Erfahrung auf die üblichen verdächtigen Frankfurter Clubs und DJs Mitte der 80er ein, aber abgesehen von der unstrittigen Bedeutung von Zeit, Ort und Protagonisten dieser speziellen, visionären, elektronischen Musik jener Tage, muss man sich doch sehr wundern, wie inkonsequent die Sets und demnach auch die Aufnahmen oft waren. Man erwartet in der Rückschau 60 Minuten Essenz von Electro, House, frühem EBM und Ähnlichem und ist sehr überrascht, teilweise ungemixt Titel von der S.O.S. Band, Jocelyn Brown, Miami Sound Machine, Alexander O’Neal, Daryl Hall & John Oates, Phil Collins u.v.m. zu hören.


Insofern werden diese Mittschnitte zumindest aus einer bestimmten Zeit verklärt und so gradlinig war der Mix in Wirklichkeit gar nicht. Unabhängig davon sind solche Tapes natürlich echte undigitalisierte Raritäten der Entstehungsphase neuer Musik.


Anlass, um zu versuchen, chronologisch nach Jahren sortiert (1981-1989) eine Musik bestimmende Dekade der Frankfurter Clubmusik in Nonstop DJ-Mixen festzuhalten. Seit langer Zeit reifen jahres-chronologische Wiedergabelisten der Musik, die zwischen 1981 und 1990 im großen Club des Dorian Gray lief. Um daraus aussagekräftige Mixe zu kreieren, braucht man die wichtigsten 20-25 Stücke des jeweiligen Jahres. Schwierig, wenn man z.B. für das Jahr 1984 nicht weniger als 149 bedeutende Titel zusammengesammelt hat. Die Herausforderung war nun, einen Musikmix widerzuspiegeln, der sich auf die Visionen zukünftiger Clubmusik beschränkt und das Meiste weglässt, was auch in den Charts und den gängigen Discotheken jener Zeit stattfand.


Das Ergebnis ist nun in der Serie 

„1980-1990 | DORIAN GRAY | NONSTOP MIXES“ zu hören.

Der 80er Dorian Gray Sound jenseits des Mainstreams.

Jahres-chronologisch und in nonstop DJ-Mixen:

https://www.welcometotherobots.com/dorian-gray-music


https://journal-live.de

https://www.journal-frankfurt.de

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